Der Schmelztiegel New York: Francis Bacon und die 1950er Jahre
Das Jahrzehnt der 1950er Jahre war Zeuge eines seismischen Wandels in der Landschaft der westlichen Kunst, angeführt von einer Gruppe amerikanischer Maler, die etablierte europäische Traditionen ablehnten und eine unverkennbar moderne Ästhetik schufen. Unter diesen Figuren tritt Francis Bacon als eine gewaltige, oft verstörende Präsenz hervor – ein Mann, der von seinen eigenen Erfahrungen verfolgt wurde und diese in Leinwände übersetzte, die von urwüchsigen Emotionen und viszeraler Bildsprache gesättigt waren. Seine Reise durch diese entscheidende Ära ist geprägt von unermüdlicher Erforschung, gezeichnet sowohl von tiefen persönlichen Kämpel als auch von einem zunehmend anerkannten Genie.
Bacons frühe Jahre wurden durch ein komplexes Familienleben geprägt, das von Tragödie und Entwurzelung unterbrochen wurde. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1929 zog die Familie nach Südafrika, wo er prägende Jahre in der Landschaft und Tierwelt der Region verbrachte – eine Erfahrung, die sein späteres Werk zutiefst beeinflussen sollte. Die karge Schönheit der afrikanischen Ebenen mit ihrer Weite und inhärenten Gewalt wurde zu einem wiederkehrenden Motiv, das sich in Gemälden wie Studie einer Figur in einer Landschaft (1952) manifestierte, in denen die menschliche Form von der überwältigenden Macht der Natur verschlungen wird. Diese frühe Konfrontation mit den rohen Elementen der Existenz sollte seine späteren Darstellungen des auf das Wesentliche reduzierten Menschen prägen, der seiner eigenen Sterblichkeit und Verletzlichkeit gegenübersteht.
Nach seiner Rückkehr nach England im Jahr 1953 sah sich Bacon mit einem turbulenten Privatleben konfrontiert – geprägt von einer stürmischen Beziehung zu Eric Hall, gefolgt von einer leidenschaftlichen, aber letztlich zerstörerischen Affäre mit Peter Lacy. Diese intensiven emotionalen Erfahrungen befeuerten sein künstlerisches Schaffen und trieben ihn dazu, Themen wie Sexualität, Gewalt und die dunklen Aspekte der menschlichen Natur zu erforsucht. In dieser Zeit vollzog sich ein Stilwandel: Weg von den eher figurativen Arbeiten seiner frühen Karriere hin zu zunehmend verzerrten und fragmentierten Figuren – ein direktes Spiegelbild seines eigenen psychischen Zustands.
Die menschliche Figur unter Belagerung
Die Mitte der 1950er Jahre markierte eine entscheidende Phase in Bacons künstlerischer Entwicklung. Er begann, die menschliche Figur systematisch zu konfrontieren, nicht als idealisierte Darstellung, sondern als ein von Angst und Schmerz gezeichnetes Subjekt. Die Serie von sieben Gemälden, Man in Blue I-VII (1954), verdeutlicht diesen Ansatz – eine reduktive Darstellung einer einzelnen männlichen Form in harten Blautönen vor einem dunklen Hintergrund, die ein Gefühl von Isolation und Gefangenschaft hervorruft. Dieses Werk war von einem Mann inspiriert, der ihm im Imperial Hotel in Henley-on-Thames Modell stand, doch es transzendierte schnell die bloße Porträtmalerei und wurde zu einer Untersuchung psychischer Zustände.
Gleichzeitig widmete sich Bacon dem Akt mit neuer Intensität. Two Figures (1953) und Two Figures in the Grass (1954) zeigen miteinander verschlungene männliche Akte, die zugleich verführerisch und beunruhigend wirken. Diese Figuren werden nicht als Objekte der Begierde präsentiert, sondern vielmehr als Verkörperungen urzeitlicher Instinkte – ein Spiegelbild von Bacons eigener Faszination für die Sexualität und deren dunkles, zerstörerisches Potenzial. Entscheidend war, dass diese Werke stark auf Eadweard Muybridges fotografischen Studien der menschlichen Figur in Bewegung (*The Human Figure in Motion*, 1901) basierten, die er als unverzichtbares visuelles Wörterbuch betrachtete. Die Dynamik, die in Muybridges Bildern eingefangen wurde, bot den Rahmen für Bacons Erforschung von Bewegung und Gestik, wobei die Physis des Ringens in eine kraftvolle Metapher für menschliche Beziehungen übersetzt wurde.
Einfluss und künstlerische Kreise
Bacons künstlerischer Weg war untrennbar mit der lebendigen Kunstszene des Nachkriegs-Londons verbunden. Er bewegte sich zwischen Ateliers, die oft nur geliehen oder temporär waren, und fand Unterstützung und Kameradschaft unter Mitkünstlern wie Peter Pollock, Paul Danquah und später Sima Kiritz. Sein Kreis umfasste prominente Persönlichkeiten wie Muriel Belcher, John Deakin, John Minton, Michael Andrews und Frank Auerbach – eine Konstellation von Kreativen, die das gemeinsame Ziel verfolgten, die Grenzen des künstlerischen Ausdrucks zu verschieben.
Sein internationaler Ruf begann in dieser Zeit zu wachsen. 1954 stellte er gemeinsam mit Ben Nicholson und Lucian Freud im britischen Pavillon der Biennale in Venedig aus – ein Ereignis, das ihm bedeutende Anerkennung in der europäischen Kunstwelt einbrachte. Er hielt zudem seine ersten Einzelausstellungen in New York (195int 53) und Paris (1957) ab und festigte so seine Position als führende Figur seiner Ära. Bemerkenswerterweise mied er es bewusst, selbst an der Biennale in Venedig teilzunehmen, da er es vorzog, in London zu bleiben und seine künstlerischen Erkundungen fortzusetzen.
Eine Transformation der Technik
Bis 1957 durchlief Bacons Malerei eine dramatische Verwandlung – ein Übergang zu kräftigeren Farben und einem groberen Farbauftrag, der bei seiner Ausstellung in der Hanover Gallery im März jenes Jahres frappierend deutlich wurde. Diese Entwicklung war zwar auch durch die Notwendigkeit getrieben, die Fristen für die Schau einzuhalten, repräsentierte aber zugleich eine tiefere Auseinandersetzung mit seiner Materie. Die sechs Gemälde, die von Van Goghs Der Maler auf der Straße nach Tarascon (1888) inspiriert waren, einschließlich eines Werkes aus dem Vorjahr, zeigten diesen neuen Ansatz – charakterisiert durch fragmentierte Formen und intensive Farbkontraste.
Die verbleibenden drei Werke wurden in großer Eile vollendet, während die letzten beiden später hinzugefügt wurden. Dieser beschleunigte Prozess spiegelte einen bereits bestehenden Trend zu größerer Physis und Unmittelbarkeit in Bacons Technik wider. Seine Pinselstriche wurden bestimmter, seine Farben lebendiger und seine gesamte Ästhetik roher und viszeraler. Diese Transformation signalisierte nicht nur eine Evolution seines Stils, sondern auch ein vertieftes Engagement, die turbulenten Emotionen auszudrücken, die sein Leben und Werk definierten – was Francis Bacons Platz als einer der bedeutendsten und verstörendsten Künstler des 20. Jahrhunderts endgültig besiegelte.


