Sherrie Levine: Reclaiming Memory Through Appropriation
Sherrie Levine (geboren 1947 in Hazleton, Pennsylvania) ist eine amerikanische Fotografin und Konzeptkünstlerin, die für ihre Pionierarbeit im Bereich der Appropriation bekannt wurde – eine Praxis, die grundlegend Fragen nach Originalität und Autorschaft innerhalb des postmodernen Kunstbetriebs stellte. Ihre Kindheit verbrachte sie hauptsächlich in den Vorstädten von St. Louis, Missouri, wo sie bereits mit acht Jahren durch einen Besuch des Saint Louis Art Museums ihren ersten Kontakt zur künstlerischen Ausdruckskraft hatte – ihre Mutter brachte ihr die transformative Kraft der Kunst näher und zeigte ihr Filme im Stil von Autorenfilmen. Diese familiäre Einflüsse prägten ihre ästhetische Sensibilität und beeinflussten ihre spätere künstlerische Tätigkeit nachhaltig.
Levine studierte an der Universität Wisconsin–Madison ihren BA ab 1969 und erwarb einen M.F.A. dort vier Jahre später. Ihre akademischen Studien festigten ihr Wissen über Kunstgeschichte und kritische Theorie und bereiteten sie auf eine Karriere vor, die sich der Konzeptkunst widmete. Während ihrer Zeit an UW-Madison entwickelte sie ihren unverwechselbaren Stil – eine bewusste Entscheidung zur Appropriation, inspiriert von den bahnbrechenden Werken moderner Künstler wie Walker Evans, Edgar Degas, Marcel Duchamp und Constantin Brancusi. Diese Künstler waren Vorbilder für ihre eigene künstlerische Entwicklung und prägten ihre Sichtweise auf die Rolle der Kunst im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen.
Die Spätjahre der 1970er Jahre erlebten einen Aufschwung der Appropriation-Kunst im East Village New Yorks, getragen von dem Wunsch, etablierte künstlerische Konventionen zu hinterfragen und einen breiteren kulturellen Dialog einzuleiten. Künstler wie Louise Lawler, Vikki Alexander, Barbara Kruger und Mike Bidlo erweiterten die Grenzen der Kreativität und etablierten sich als wichtige Stimmen in dieser Bewegung. Besonders wichtig war Levines Beteiligung an der Ausstellung „Pictures at Artists Space“ im Jahr 1977, kuratiert von Douglas Crimp – ein Ereignis, das einen entscheidenden Moment in ihrer künstlerischen Entwicklung darstellte. Die Ausstellung trug den Titel „Pictures Generation“ und spiegelte die Philosophie von Künstlern wider, die sich gegen Minimalismus aussprachen und Bildgebung als zentrale Ausdrucksweise betrachteten.
Levine machte sich insbesondere durch ihre Reihe „After Walker Evans“ einen Namen, die sie 1981 initiierte. Dabei fotografierte sie sorgfältig Reproduktionen ikonischer Fotografien von Walker Evans aus seinem berühmten Buch *Let Us Now Praise Famous Men*, begleitet von Originaldrucken derselben Bilder. Anstatt die Quelle zu verändern oder aufzuwerten, präsentierte Levine diese Replikationen als ihre eigene Kunst – eine mutige Aussage, die grundlegende Fragen nach künstlerischer Originalität und Autorschaft stellte und damit einen wichtigen Beitrag zur Geschichte der Konzeptkunst leistete sowie ihren Platz im Kontext des postmodernen Kunstbetriebs festigte. Die entstandenen Bilder – unverfälschte Nachbildungen von Evans’ Meisterwerken – wurden zu einem Symbol für Levines Ansatz zum Kunstschaffen und unterstreichen die Bedeutung des Verweisen auf und Neuaufbaus etablierter visueller Traditionen. Diese Arbeit bestätigte ihren Ruf als Verteidigerin der Konzeptkunst und sicherte ihr einen besonderen Platz in der Kunstgeschichte.